Den Stromvertrag kündigen klingt komplizierter als es ist – aber viele Deutsche zahlen Jahr für Jahr zu viel, weil sie sich vor dem Papierkram scheuen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorlage und ein paar Minuten Zeit kannst du mehrere hundert Euro im Jahr sparen. In dieser Anleitung bekommst du einen fertigen Musterbrief, erfährst alle wichtigen Fristen und lernst, welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest – egal ob du normal kündigst, umziehst oder von einer Preiserhöhung betroffen bist.
Warum überhaupt den Stromanbieter wechseln?
Stell dir vor, du würdest jedes Jahr beim Einkaufen im selben Laden 200 bis 400 Euro zu viel bezahlen – einfach aus Gewohnheit. Genau das passiert vielen Verbrauchern beim Strom. Die Grundversorgung ist fast immer teurer als Sonderverträge, und selbst Bestandskunden zahlen oft deutlich mehr als Neukunden beim gleichen Anbieter.
Der Wechsel ist seit der Liberalisierung des Strommarktes kinderleicht geworden. Der neue Anbieter übernimmt in der Regel sogar die Kündigung für dich. Trotzdem gibt es Situationen, in denen du selbst kündigen musst – oder solltest:
Bei Umzug in eine neue Wohnung
Wenn dein Anbieter die Preise erhöht (Sonderkündigungsrecht)
Wenn du die Kündigungsfrist selbst in der Hand haben willst
Bei außerordentlichen Gründen wie Preisanpassungen ohne korrekte Information
Wichtig: Kündige niemals vorschnell, ohne einen neuen Vertrag in der Tasche zu haben. Sonst landest du automatisch in der teuren Grundversorgung.
Fristen bei der Stromvertrag-Kündigung: Das musst du wissen
Die Kündigungsfristen für Stromverträge sind gesetzlich geregelt – aber es gibt verschiedene Szenarien:
Ordentliche Kündigung (reguläres Vertragsende)
Die meisten Stromverträge haben eine Mindestvertragslaufzeit von 12 oder 24 Monaten. Danach verlängern sie sich automatisch – meist um weitere 12 Monate. Die Kündigungsfrist beträgt je nach Vertrag:
1 Monat bei Verträgen ab 2022 (gesetzliche Vorgabe)
3 Monate bei älteren Verträgen (Altverträge vor 2022)
Beispiel: Dein Vertrag läuft am 31. Dezember 2026 aus. Bei 1 Monat Kündigungsfrist musst du spätestens bis zum 30. November 2026 kündigen – sonst verlängert sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr.
Grundversorgung kündigen
Bist du in der Grundversorgung (also dem Standard-Tarif deines örtlichen Versorgers ohne separaten Vertrag), gelten besondere Regeln:
Kündigungsfrist: 2 Wochen
Keine Mindestvertragslaufzeit
Jederzeit kündbar
Die Grundversorgung ist meist die teuerste Option – hier lohnt sich ein Wechsel besonders.
Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung
Das ist dein wichtigstes Ass im Ärmel: Erhöht dein Anbieter die Preise, hast du ein Sonderkündigungsrecht – egal wie lange dein Vertrag noch läuft. Du kannst dann innerhalb von 2 Wochen nach Erhalt der Preiserhöhungs-Mitteilung kündigen, mit Wirkung zum Zeitpunkt der Preisänderung.
Wichtig: Der Anbieter muss dich mindestens 1 Monat vor der Preiserhöhung informieren. Tut er das nicht korrekt, hast du noch bessere Karten für eine außerordentliche Kündigung.
Umzug: Sonderfall mit besonderen Rechten
Ziehst du um, hast du zwei Optionen:
1. Vertrag mitnehmen: Wenn dein Anbieter am neuen Wohnort auch liefert, kannst du den Vertrag einfach mitnehmen.
2. Sonderkündigung: Liefert dein Anbieter nicht an die neue Adresse, hast du ein Sonderkündigungsrecht mit 2 Wochen Frist ab Umzug. Wichtig: Den Umzug rechtzeitig melden!
Das Wichtigste auf einen Blick
Reguläre Kündigungsfrist bei neueren Verträgen: 1 Monat zum Vertragsende
Grundversorgung: jederzeit mit 2 Wochen Frist kündbar
Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung: 2 Wochen nach Mitteilung
Kündigung immer schriftlich per Brief oder E-Mail (wenn vertraglich erlaubt)
Kündigungsbestätigung einfordern und neuen Vertrag vorher abschließen
Hier ist dein fertiger Kündigungsbrief für die normale, fristgerechte Kündigung. Einfach die Platzhalter ersetzen, ausdrucken und per Post verschicken (oder als PDF per E-Mail, falls dein Anbieter das akzeptiert):
hiermit kündige ich meinen Stromliefervertrag mit der Kundennummer [Deine Kundennummer] und der Zählernummer [Deine Zählernummer] fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Sollte die ordentliche Kündigungsfrist bereits verstrichen sein, kündige ich hilfsweise zum nächstmöglichen Termin.
Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung sowie das Vertragsende schriftlich per E-Mail an [Deine E-Mail] oder postalisch.
Bitte teilen Sie mir außerdem mit, zu welchem Datum ich den Zählerstand ablesen und Ihnen mitteilen soll.
Mit freundlichen Grüßen
[Deine handschriftliche Unterschrift bei Postversand]
[Dein Vorname Nachname]
So verschickst du die Kündigung richtig:
Per Post: Einschreiben mit Rückschein (kostet ca. 4,50 Euro, ist aber der sicherste Weg)
Per E-Mail: Nur wenn in deinen Vertragsunterlagen explizit eine E-Mail-Adresse für Kündigungen angegeben ist
Per Fax: Mit Sendebericht als Nachweis (falls noch angeboten)
Nicht per Telefon: Eine telefonische Kündigung ist nicht rechtssicher
hiermit kündige ich meinen Stromliefervertrag mit der Kundennummer [Deine Kundennummer] und der Zählernummer [Deine Zählernummer] außerordentlich.
Grund für die Kündigung ist die mir mit Schreiben vom [Datum der Preiserhöhungs-Mitteilung] mitgeteilte Preiserhöhung, die zum [Datum der Preiserhöhung] wirksam werden soll.
Ich mache hiermit mein Sonderkündigungsrecht gemäß § 41 Abs. 3 EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) geltend und kündige den Vertrag zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Preiserhöhung, also zum [Datum der Preiserhöhung].
Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung sowie das Vertragsende schriftlich per E-Mail an [Deine E-Mail] oder postalisch.
Bitte teilen Sie mir außerdem mit, wann ich den Zählerstand ablesen und Ihnen mitteilen soll.
Mit freundlichen Grüßen
[Deine handschriftliche Unterschrift bei Postversand]
[Dein Vorname Nachname]
Wichtig bei Preiserhöhungen: Du hast nur 2 Wochen Zeit ab Erhalt der Mitteilung. Reagiere also schnell! Der Verweis auf § 41 Abs. 3 EnWG macht deinem Anbieter klar, dass du deine Rechte kennst.
Musterbrief: Sonderkündigung bei Umzug
Beim Umzug gibt es zwei Szenarien. Wenn dein Anbieter am neuen Wohnort nicht liefern kann (oder du dort einfach nicht mehr Kunde sein willst), nutze diesen Musterbrief:
hiermit kündige ich meinen Stromliefervertrag mit der Kundennummer [Deine Kundennummer] und der Zählernummer [Deine Zählernummer] außerordentlich wegen Wohnungswechsels.
Ich ziehe am [Datum des Umzugs] um in folgende neue Adresse:
[Neue Straße Hausnummer] [Neue PLZ Neuer Ort]
Ich kündige den Vertrag für die alte Verbrauchsstelle zum [Umzugsdatum oder 2 Wochen später].
Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung sowie das Vertragsende schriftlich per E-Mail an [Deine E-Mail].
Den Zählerstand an der alten Adresse werde ich am Umzugstag ablesen und Ihnen umgehend mitteilen.
Tipp: Viele Anbieter bieten beim Umzug auch an, den Vertrag einfach an die neue Adresse "umzuziehen". Das kann sinnvoll sein, wenn du mit deinem Tarif zufrieden bist – aber prüfe vorher, ob es am neuen Wohnort nicht günstigere Alternativen gibt.
Schritt-für-Schritt: So kündigst du deinen Stromvertrag richtig
Jetzt kommt der praktische Teil – die konkrete Anleitung vom ersten Gedanken bis zur erfolgreichen Kündigung:
Schritt 1: Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist prüfen
Schnapp dir deine Vertragsunterlagen (oder logge dich im Online-Kundenportal ein) und suche nach:
Vertragsbeginn und Ende der Mindestvertragslaufzeit
Kündigungsfrist (meist 1 oder 3 Monate)
Kundennummer und Zählernummer
Kündigungsadresse (manchmal abweichend von der normalen Firmenadresse)
Praxis-Tipp: Trag dir in deinem Kalender oder Smartphone 3 Monate vor Vertragsende eine Erinnerung ein. So verpasst du die Kündigungsfrist garantiert nicht.
Schritt 2: Neuen Anbieter suchen (BEVOR du kündigst!)
Das ist der wichtigste Schritt: Suche zuerst einen neuen, günstigeren Anbieter. Nutze dafür Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox. Achte dabei auf:
Preisgarantie (mindestens 12 Monate)
Keine Vorauskasse (unseriös und riskant)
Kurze Vertragslaufzeit (max. 12 Monate)
Neukundenbonus (kann attraktiv sein, aber schau auf den Preis ab dem 2. Jahr)
Wenn du einen passenden Tarif gefunden hast: Schließe den neuen Vertrag ab. Der neue Anbieter kann dann optional die Kündigung für dich übernehmen – das klappt aber nur, wenn die Fristen passen.
Schritt 3: Kündigungsschreiben verfassen
Nutze einen der Musterbriefe von oben und fülle alle Platzhalter aus. Besonders wichtig:
Kundennummer (steht auf jeder Rechnung)
Zählernummer (steht auf deinem Stromzähler und in den Vertragsunterlagen)
Deine aktuelle Anschrift
Kontaktdaten für die Kündigungsbestätigung
Schritt 4: Kündigung versenden (mit Nachweis!)
Verschicke die Kündigung per Einschreiben mit Rückschein. Das kostet zwar ein paar Euro extra, ist aber dein rechtssicherer Nachweis, dass die Kündigung rechtzeitig angekommen ist.
Alternativ: Wenn dein Anbieter eine E-Mail-Adresse für Kündigungen angibt, kannst du auch digital kündigen. Bitte dann um eine Empfangsbestätigung und hebe diese auf.
Schritt 5: Kündigungsbestätigung einfordern und prüfen
Innerhalb von 1-2 Wochen sollte eine schriftliche Kündigungsbestätigung kommen. Prüfe genau:
Ist das Kündigungsdatum korrekt?
Stimmen alle Daten (Kundennummer, Adresse)?
Gibt es Hinweise auf eine Abschlusszahlung oder Guthaben?
Falls keine Bestätigung kommt: Ruf beim Kundenservice an und hake nach.
Schritt 6: Zählerstand ablesen und mitteilen
Am letzten Versorgungstag (oder am Tag des Anbieterwechsels) liest du deinen Stromzähler ab und teilst den Stand beiden Anbietern mit – dem alten und dem neuen. So wird genau abgerechnet, wer welchen Verbrauch zu verantworten hat.
Praxis-Tipp: Mach ein Foto vom Zählerstand mit sichtbarem Datum (z.B. mit einer Tageszeitung im Bild). Das ist dein Nachweis, falls es später Streit gibt.
Schritt 7: Schlussrechnung prüfen
Einige Wochen nach der Kündigung kommt die Schlussrechnung. Prüfe diese genau:
Ist der Zählerstand korrekt erfasst?
Stimmt die Abrechnungsperiode?
Wurden bereits gezahlte Abschläge berücksichtigt?
Gibt es ein Guthaben, das dir erstattet wird?
Guthaben müssen innerhalb von 2 Wochen erstattet werden. Nachforderungen solltest du genau prüfen – bei Unklarheiten Widerspruch einlegen.
Die 7 häufigsten Fehler bei der Stromvertrag-Kündigung (und wie du sie vermeidest)
Fehler 1: Kündigen ohne neuen Vertrag
Das ist der Klassiker: Du kündigst deinen alten Vertrag, hast aber noch keinen neuen abgeschlossen. Resultat: Du rutschst automatisch in die teure Grundversorgung.
So gehts richtig: Neuen Vertrag zuerst abschließen, dann erst kündigen (oder den neuen Anbieter kündigen lassen).
Fehler 2: Kündigungsfrist verpassen
Ein, zwei Wochen zu spät – und schon verlängert sich der Vertrag um ein weiteres Jahr. Das kann richtig teuer werden.
So gehts richtig: Kalender-Erinnerung setzen, 3 Monate vor Vertragsende. Lieber zu früh als zu spät kündigen.
Fehler 3: Keine Kündigungsbestätigung einfordern
Du kündigst, hörst nichts mehr – und denkst, alles ist gut. Monate später kommt die böse Überraschung: Der Vertrag läuft noch.
So gehts richtig: Immer eine schriftliche Bestätigung verlangen und nachhaken, wenn sie nicht innerhalb von 2 Wochen kommt.
Fehler 4: Kündigung nur telefonisch oder mündlich
Ein Anruf beim Kundenservice mag bequem sein – rechtlich bindend ist er aber nicht. Eine mündliche oder telefonische Kündigung kann der Anbieter einfach abstreiten.
So gehts richtig: Immer schriftlich per Post oder E-Mail (wenn vertraglich erlaubt). Mit Nachweis.
Fehler 5: Falsche oder unvollständige Daten
Kundennummer vergessen, Zählernummer falsch, Adresse veraltet – solche Fehler können die Kündigung unwirksam machen oder verzögern.
So gehts richtig: Alle Daten doppelt prüfen, bevor du die Kündigung abschickst. Am besten eine aktuelle Rechnung als Vorlage verwenden.
Fehler 6: Sonderkündigungsrecht nicht nutzen
Dein Anbieter erhöht die Preise – aber du denkst, du musst trotzdem bis Vertragsende warten. Falsch! Du hast ein Sonderkündigungsrecht.
So gehts richtig: Bei jeder Preiserhöhung sofort prüfen, ob ein Wechsel sinnvoll ist. Dann innerhalb von 2 Wochen außerordentlich kündigen.
Fehler 7: Zählerstand nicht dokumentieren
Der Anbieter rechnet mit einem zu hohen Zählerstand ab – du kannst nichts beweisen. Ärger und Mehrkosten sind vorprogrammiert.
So gehts richtig: Zählerstand am Stichtag ablesen, fotografieren (mit Datum) und beiden Anbietern mitteilen. Das Foto ist dein Beweis.
Besonderheiten: Kündigung bei Preiserhöhung im Detail
Preiserhöhungen sind für Stromkunden ein ständiges Ärgernis – aber auch deine beste Chance für einen flexiblen Wechsel. Hier die wichtigsten Details:
Wann gilt das Sonderkündigungsrecht?
Dein Sonderkündigungsrecht greift bei:
Preiserhöhungen (auch "Preisanpassungen" genannt)
Änderungen der Vertragsbedingungen zu deinem Nachteil
Nicht rechtzeitiger Information (Anbieter muss mind. 1 Monat vorher informieren)
Wichtig: Sinkende Steuern oder Umlagen, die der Anbi